Cloud oder on-prem: Wer hat beim Thema CPM die Nase vorn?
Foto: Lucas Davies | Unsplash

Planung, Budgetierung & Co: Wann die Cloud bei CPM ein Vorteil ist

Corporate Performance Management (CPM)-Anwendungen wie Planung und Budgetierung sind in der Cloud bislang immer noch Exoten. Aber warum eigentlich? BARC-Analyst Dr. Christian Fuchs erläutert, weshalb viele Unternehmen zögern und wo die Vorteile von Cloud-Lösungen liegen.

Wie bei so vielen Trenddiskussionen und technologischen Errungenschaften, ist auch die Diskussion zum Thema Cloud stark polarisierend: Für die einen ist es der IT-Ansatz der Zukunft, für die anderen das Ende der Unternehmens-IT. Wie so oft, liegt auch bei diesem Thema die Wahrheit irgendwo dazwischen.

Status Quo und Herausforderungen

Bereits vor über einem Jahrzehnt hat Salesforce.com begonnen, den Ansatz des Cloud-Computing salonfähig zu machen und eine der ersten Front-Office-Anwendungen auf den Markt gebracht. Der Erfolg hat eine Vielzahl von Nachahmern hervorgebracht, auch in Business Intelligence (BI), CPM und Datenmanagement.

Fakt ist jedoch, dass CPM-Werkzeuge heute deutlich seltener über die Cloud genutzt werden als beispielsweise Lösungen für Reporting, Analytics oder Data Discovery (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Was sind die häufigsten Anwendungsfälle für Cloud BI in Ihrem Unternehmen?
Abbildung 1: Was sind die häufigsten Anwendungsfälle für Cloud BI in Ihrem Unternehmen? (Quelle: BARC-Studie „BI und Datenmanagement in der Cloud“, n=164)

Nach dem Motto „never change a running system“ vertrauen Unternehmen vielfach ihren On-Premises-Lösungen, gerade im Mittelstand. Hauptgrund sind starke Sicherheitsbedenken bei der Nutzung strategisch relevanter (Finanz-)Daten und damit verbunden hohe Anforderungen an die Datensicherheit von CPM-Systemen (siehe Abbildung 2).

Auch rechtliche Bedenken beziehen sich typischerweise auf Datenschutz sowie Datensicherheit und unterstreichen damit die massive „Bremswirkung“ dieser Aspekte für die Nutzung von CPM-Lösungen in der Cloud. Die vergleichbar niedrige Nennung von Unternehmenspolitik als Hürde bestätigt, dass die Cloud für CPM heute eher eine betriebswirtschaftliche denn politische Entscheidung geworden ist. Gerade bei Neukunden von CPM-Lösungen ist der Anteil der Cloud-Nutzung erfahrungsgemäß deutlich höher als bei Unternehmen, die bereits CPM-Lösungen im Einsatz haben und migrieren müssten.

Abbildung 2: Top 3 Gründe, CPM nicht über eine Cloud-basierte Lösung zu nutzen
Abbildung 2: Top 3 Gründe, CPM nicht über eine Cloud-basierte Lösung zu nutzen (Quelle: BARC-Studie „Corporate Performance Management im Zeitalter der Digitalisierung“, n=153)

Anwendungsfälle für CPM in der Cloud

CPM-Projekte mit potenziell höheren Anwenderzahlen in dezentralen, verteilten Szenarien sind häufig prädestiniert für eine Umsetzung mithilfe der Cloud (siehe Abbildung 3). Je „kritischer“ Anwendungsfälle gesehen werden, desto seltener bevorzugen Unternehmen heute CPM-Lösungen in der Cloud (siehe bspw. Finanzplanung). Die Differenz der Nutzung von Finanzplanung zu operativer Planung und Forecasting lässt den Schluss zu, dass Cloud-Lösungen häufiger auch als Ergänzung zu On-Premises-Lösungen genutzt werden. So kann z. B. die Datensammlung der operativen Planung über die Cloud organisiert werden.

Abbildung 3: Top 5 Anwendungsfälle für CPM in der Cloud
Abbildung 3: Top 5 Anwendungsfälle für CPM in der Cloud (Quelle: BARC-Studie „Corporate Performance Management im Zeitalter der Digitalisierung“, n=45)

Die wichtigsten Vorteile der Cloud

Aus Marktsicht haben sich mittlerweile Cloud-basierte Softwareangebote auch für CPM-Teilbereiche wie Planung und Budgetierung etabliert. Die Grundlage bildet oft ein „Software as a Service (SaaS)“-Modell, bei dem neben der Infrastruktur auch die Anwendungssoftware vom Lieferanten bereitgestellt, fertig installiert und konfiguriert wird, was eine schnellere Bereitstellung ermöglicht. Während manche Softwareanbieter ihre Lösungen nur über die Cloud anbieten, verfolgt der Großteil einen hybriden Ansatz. Somit steht es dem Kunden frei, ob er die Lösung lieber über die Cloud beziehen oder On-Premises implementieren möchte.

Der offensichtlichste Vorteil einer Cloud-Lösung ist sicher der geringe Bedarf an eigenen IT-Ressourcen. Insbesondere Betrieb und Wartung von Hard- und Software zählen oftmals nicht zu den Kernkompetenzen von Unternehmen. Doch ein Cloud-Ansatz bietet noch weitere Vorzüge, die je nach Aufgabenstellung durchaus ins Gewicht fallen können.

Die 5 größten Vorteile sind aus meiner Sicht die folgenden:

  1. Geschwindigkeit (Time to Value):
    Cloud-basierte CPM-Lösungen können i. d. R. unmittelbar eingesetzt werden. Lange Hardwarebeschaffungs- oder Installationszeiten entfallen, was die Implementierung massiv beschleunigen kann.
  2. Skalierbarkeit (Anwender und Daten):
    Nutzungsspitzen mit vielen gleichzeitigen Anwendern können leichter abgefedert werden, indem flexibel Hardwareressourcen in der Cloud (CPU, Speicher etc.) dazu geschaltet werden (Elastizität).
  3. Aktualität (Updates und Wartung):
    Der Bezug einer CPM-Lösung über die Cloud garantiert, dass sich die Lösung immer auf dem aktuellsten Release-Stand befindet und man so als Kunde immer mit der neuesten Funktionalität arbeitet.
  4. Sicherheit (Datensicherheit und Backups):
    Cloud-Rechenzentren sind Hochsicherheitseinrichtungen. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf Gebäudesicherheit, Brandschutz, Zutrittsregelung, Verfügbarkeit, Datenschutz, Datensicherheit und Störungsmanagement. In der Regel sind CPM-Cloud-Services deutlich sicherer als eigene IT-Services, insbesondere bei KMUs.
  5. Investition:
    Service-basierte CPM-Mietmodelle erfordern keine hohen Erstinvestitionen (CAPEX) mit Festlegung der Abschreibungsdauer und zusätzlichen jährlichen Wartungsgebühren. Die Verrechnung erfolgt üblicherweise jährlich und wird voll als Aufwand verrechnet (OPEX).

Fazit

Die Zeit und der Markt sind reif, um einen CPM-Betrieb in der Cloud unvoreingenommen zu bewerten. Insbesondere bei Neueinführungen und größeren Änderungen im Rahmen der eigenen Digitalisierungsstrategie sollten Unternehmen deshalb gewissenhaft prüfen, ob die Cloud nicht wesentliche Vorteile gegenüber On-Premises-Lösungen bietet. Die BARC-Erfahrung zeigt, dass viele kleine und mittelständische Unternehmen mit dem Betrieb eines Rechenzentrums überfordert sind. Eine Verlagerung in die Cloud hat dabei klare Vorteile.

Jedoch muss erwähnt werden, dass sich die Cloud nicht für alle Einsatzzecke eignet. Gerade eine schwache Anbindung durch ungenügende Bandbreite oder instabile Netze, gemischte Plattformen mit Cloud und On-Premises-Systemen und der bei langfristiger Nutzung mit einer stabilen Anzahl an Anwendern oftmals höhere Preis sind Herausforderungen für Unternehmen.

Dr. Christian Fuchs

Dr. Christian Fuchs ist Head of Research BI & Data Management sowie Senior Analyst bei BARC. Er ist Hauptautor der Studie “Softwarewerkzeuge für die Planung” sowie zahlreicher weiterer Veröffentlichungen im Bereich BI und Planung. Als Berater unterstützt er Unternehmen im Softwareauswahlprozess und in der Einführungsphase als auch zu strategischen Fragestellungen im Bereich Anwenderwerkzeugportfolio, Architektur und Einsatzszenarien.

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