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Demand Planning: Das Geheimnis effizienter Wertschöpfung

Der deutsche Mittelstand exportiert auch 2018 kräftig in alle Welt. Alles gut also? Nicht ganz, denn viele Mittelständler kranken trotz Hochkonjunktur an einer ineffizienten Wertschöpfung. Gastautor Prof. Roland Künzel klärt auf, welche Potenziale sich mittels Demand Planning realisieren lassen.

Als Berater habe ich über die Jahre branchenübergreifend mit zahlreichen Planungsverantwortlichen zusammengearbeitet. Bei Gesprächen über die Planung bin ich dabei erstaunlich oft auf eine ablehnende Haltung gestoßen. Gerne wird das Thema mit Aussagen wie „Jede Planung ist falsch!“ oder „Unser Geschäft lässt sich nicht planen!“ abgetan. An die vorhanden Potentiale, die dieses Instrument bietet, wird dabei oft kein Gedanke verschwendet.

Das ist schade, da diese Haltung ein ganzes Bündel von Problemen nach sich zieht. Wurde unsauber geplant, steht z.B. nicht die korrekte Menge an Material für die Produktion zur Verfügung. Infolge stockt die Produktion und es kommt zu weiteren Unkosten durch Auftragsabbrüche, Nachbestellungen usw. Eine effiziente Wertschöpfung wird so zu einem Ding der Unmöglichkeit.

Mehr Effizenz und erhöhte Produktivität

Wie kann man diesem Problem also Herr werden? Ein Blick auf die Best-in-Class-Unternehmen zeigt: Wer eine hocheffiziente Wertschöpfung anstrebt, der kommt um eine Absatzplanung (engl. Demand Planning) nicht herum. Diese These wird auch von zahlreichen Untersuchungen gestützt.

Das Prinzip hinter diesem mächtigen Werkzeug ist denkbar einfach: Von bekannten Produktbedarfen kann das notwendige Material direkt abgeleitet und schlichtweg rechtzeitig bestellt werden. Gleiches gilt für Personal und Maschinenkapazität. Ist das Produktionssystem erst mal frei von Schnellschüssen und Ad-hoc-Aktionen, lassen sich nach meiner Erfahrung Produktivitätssteigerungen von bis zu 14% erzielen, ohne, dass signifikant in Personal oder Technologie investiert werden muss. Und der strategische Faktor einer kurzen Lieferzeit wird für das Unternehmen in voller Bandbreite wirksam.

Läuft die Absatzplanung erst mal, kann in Ruhe gearbeitet werden. (Foto: Bradley Wentzel | Unsplash)

Weniger „Handarbeit“ für die Planer

Die geeignete Methodik in Kombination mit Software- und Prognoseinstrumenten können für den Vertrieb (der die Planung in letzter Instanz verantwortet) das entscheidende Hilfsmittel sein.

Dabei muss die elementare Strategie die sein, Plandaten möglichst plausibel vorherzusagen und dann „mundgerecht“ zu servieren. Der Planer greift exakt auf die Produkte bzw. Warengruppen zu, die in seinem Bereich fallen. Er wird von Planmodellen und Prognosemethoden weitreichend unterstützt.

Bei modernen Software-Systemen erhält der Planer somit konkrete Vorschläge und muss noch korrigierend eingreifen. Falls Sie schon einmal in dieser Situation waren, können Sie sich sicher vorstellen, dass diese Methode um ein Vielfaches schneller und einfacher geht, als die nötigen Informationen selbständig herzuleiten.

Wenn meine Kollegen und ich Planungssysteme für unsere Kunden entwickeln, legen wir darüber hinaus folgende Schwerpunkte:

  • Bereitstellung hochwertiger Prognosezahlen durch optimierte Verfahrensauswahl und Ex-Post-Vorgehen
  • Konzentration auf wichtigste Artikel unter Beachtung der Produkthierarchie sowie Ausnahmemeldungen
  • Etablierung eines rollierenden Planungsprozesses als Vorausschau unter Berücksichtigung von Vertriebsprojekten und bekannten Auftragsbeständen
  • Process Performance Management als Regelkreis auf der Basis von Kennzahlen zur Planungsqualität

Die führt in der Summe zur integralen Beherrschung von Grundlast und Spitzenbedarfen, wie es in der folgenden Abbildung versinnbildlicht ist.

Durch Bündelung der Grundlast und Beherrschung der Projektbedarfe können verbindliche Planungsaussagen gemacht werden. (Quelle: Flatten IT Consulting)

Fazit

Eine gute Absatzplanung ist der Schlüssel zu Ruhe und Effektivität in der Wertschöpfung. Ein Demand-Planning-System hilft auch dem Praktiker, seine Produktivitätsziele sicherzustellen und minimiert Störungen in der Supply Chain. Eine extrem hohe Vertriebsperformance ist das letztlich spürbare Resultat für den Kunden und bringt signifikante Wettbewerbsvorteile.

Prof. Dr.-Ing. Roland Künzel

Roland Künzel ist Professor für Wertschöpfungsmanagement und Business Analytics an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW). Nach Maschinenbaustudium und Promotion ist er zunächst zur Managementberatung gewechselt und war u. a. auch für die Vereinten Nationen tätig. Seine jahrelange Erfahrung in Datenanalyse und Planung trägt dazu bei, die Lücke zwischen Wertschöpfungssystemen und IT nahtlos zu schließen. Durch seinen akademischen Background und die ausgeprägte Praxiserfahrung steht Prof. Künzel für innovative und praxistaugliche Lösungen. Er wurde mehrfach für seine Entwicklungen ausgezeichnet und ist zudem geschäftsführender Gesellschafter der Flatten Consulting GmbH.

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